Künstler protestieren
Stilles Album gegen KI
(26.02.2025) Das Album "Is This What We Want" unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Musikveröffentlichungen. Statt Melodien oder Gesang enthält es nichts als Stille – aufgenommen in menschenleeren Tonstudios und Veranstaltungshallen. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Produktion sind Pläne der britischen Regierung, das Urheberrecht zugunsten von KI-Anwendungen zu lockern.
Hinter dem Album stehen über tausend Musiker, darunter Kate Bush, Damon Albarn und Annie Lennox, die mit den zwölf Titeln eine klare Botschaft vermitteln: "Die britische Regierung darf den Diebstahl zugunsten von KI-Unternehmen nicht legalisieren". Veröffentlicht wurde es am Tag des Ablaufs der öffentlichen Konsultationsfrist zur geplanten Urheberrechtsreform.
Parallel dazu erschien in der Zeitung "The Times" ein offener Brief, den zahlreiche Künstler und Autoren unterzeichneten – darunter Ed Sheeran, Dua Lipa und Elton John. Sie warnen vor einem Ausverkauf kreativer Werke an KI-Unternehmen. Nahezu alle überregionalen britischen Zeitungen schlossen sich dem Protest an und unterstützten die Kampagne "Make It Fair" mit Anzeigen und Leitartikeln. Der Appell an die Politik, für eine gerechte Urheberrechtsregelung zu sorgen, prangte in großen Lettern vor blauem Hintergrund auf ihren Titelseiten.
Der britische Premierminister Keir Starmer erwägt, KI-Unternehmen zu erlauben, ihre Modelle mit frei verfügbaren kreativen Inhalten aus dem Internet zu trainieren. Urheber müssten explizit widersprechen, wenn sie dies nicht wollen – ein Vorgehen, das Künstler als unzumutbare Belastung kritisieren. Es sei kaum nachvollziehbar, wer ihre Werke nutzt, und der Aufwand, dies zu verhindern, wäre enorm.
Organisiert wurde die Veröffentlichung des stillen Protestalbums von Ed Newton-Rex. Er warnt davor, dass die geplante Reform das Lebenswerk britischer Musiker praktisch kostenlos an KI-Unternehmen übergeben und diese damit auf Kosten der Künstler stärken würde. Großbritannien könne sich als führende Nation im Bereich Künstlicher Intelligenz etablieren, „ohne unsere weltweit führende Kreativbranche zu opfern“, betont er.
Premierminister Starmer betont hingegen, es gehe darum, eine ausgewogene Lösung zwischen Urheberrechten und den Fortschrittsmöglichkeiten durch KI zu finden. Er verweist auf das enorme Potenzial, das künstliche Intelligenz für die Zukunft biete.
(LO)