Anschlag auf Westbahnhof
Bub (14) bleibt in U-Haft
(26.02.2025) Weiter Tatbegehungs- und Tatausführungsgefahr? Der 14-jährige Wiener Schüler und mutmaßliche Anhänger der radikal-islamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS), der einen Terror-Anschlag am Wiener Westbahnhof geplant haben soll, bleibt zur Sicherheit vorerst in U-Haft. Das hat das Landesgericht für Strafsachen am Mittwoch entschieden. Wie Gerichtssprecher Christoph Zonsics-Kral auf APA-Anfrage mitteilte, wird beim Jugendlichen weiterhin von Tatbegehungs- und Tatausführungsgefahr ausgegangen.
Laut Zonsics-Kral machte der Jugendliche bei dem Haftprüfungstermin keine Angaben zu den wider ihn erhobenen Vorwürfen. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen laufen derzeit wegen des Verdachts der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation. Der 14-Jährige macht seit seiner Festnahme vom ihm zustehenden Schweigerecht Gebrauch. Seine Verteidigerin Anna Mair akzeptierte die Verlängerung der U-Haft um weitere vier Wochen. Der Gerichtsbeschluss ist damit rechtskräftig.
Sozialnetzkonferenz mit "Zukunftsplan"?
Für den Jugendlichen - er wird Mitte Mai 15 Jahre alt - wurde vom Gericht bereits Bewährungshilfe angeordnet. Er hat auch schon einen beim Verein Neustart tätigen Mitarbeiter zugewiesen bekommen, der ihn in Haft betreut. Darüber hinaus wurde eine sogenannte Sozialnetzkonferenz unter Einbeziehung der Jugendgerichtshilfe und der Obsorgeberechtigten in die Wege geleitet, um für den Schüler "einen Zukunftsplan zu erstellen", wie seitens des Gerichts verlautete.
Der 14-Jährige ist auf der Jugendabteilung der Justizanstalt (JA) Josefstadt untergebracht. Er darf grundsätzlich Besuche von Angehörigen empfangen, wobei die Terminfindung nicht ganz einfach ist. Indes hat Verteidigerin Mair bereits den Kontakt zu einer Deradikalisierungsstelle hergestellt, um den Burschen vom Gedankengut des IS wegzubringen. "Mit Bewilligung der Staatsanwaltschaft übernimmt die bei bOJA (Bundesweites Netzwerk Offene Jugendarbeit, Anm.) eingerichtete Beratungsstelle Extremismus ein Betreuungsverhältnis. Der erste Termin findet morgen statt", berichtete Mair im Gespräch mit der APA.
Am 10. Februar festgenommen
Ermittler des Landesamtes Staatsschutz und Terrorismusbekämpfung (LSE) und Kräfte der WEGA hatten den Jugendlichen am 10. Februar an seinem Wohnsitz in Wien-Währung festgenommen. Der 14-Jährige lebte bei seinen Eltern und wollte im kommenden Herbst eine Lehre beginnen. Beide Elternteile - sie haben türkische Wurzeln - sollen eine liberale gesellschaftliche Einstellung haben und keine strenge Auslegung des Islam praktizieren. Bei einer gerichtlich genehmigten Hausdursuchung wurden in der Wohnung bzw. im Kellerabteil unter anderem mehrere Messer und Propagandamaterial gefunden, das eine IS-Anhängerschaft des 14-Jährigen belegen soll. Sichergestellt wurden vor allem auch offenbar vom Tatverdächtigen angeführte Zeichnungen der U6-Station am Westbahnhof. Sie sollen Züge, Geleise, und Strichmännchen zeigen, wobei eine der Figuren mit einem Messer bzw. einer Machete auf andere einsticht. Diese sind mit dem Wort "Kuffar" ("Ungläubige") bezeichnet, einem im Islam gebräuchlichen Ausdruck für Menschen, die Angehörige anderer Religionen sind oder nicht dem Islam angehören.
Für Verteidigerin Anna Mair handelt es sich dabei um "Fantasievorstellungen" ihres jungen Mandanten. Von einer konkreten Umsetzung sei man "weit weg", hatte sie zuletzt der APA erklärt. Aus Ermittlerkreisen heißt es demgegenüber, die Zeichnungen seien auffallend strukturiert angelegt. Außerdem hätte der 14-Jährige einschlägige islamistische Fachliteratur und eine Liste mit Bestandteilen besessen, die zum Bau einer Bombe benötigt werden. Im Kellerabteil stieß man auf Aluminiumrohre und lose Tischbeine.
Hinweis aus Deutschland
Auf den 14-Jährigen war man nach APA-Informationen aufgrund eines Hinweises des deutschen Bundeskriminalamts gekommen. Die deutschen Ermittler hatten ein Besorgnis erregendes TikTok-Profil mit radikalislamistischen Inhalten entdeckt. Dieses Profil konnte dem 14-Jährigen zugeordnet werden. Daraufhin wurde die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) informiert, die weiter gegen den Verdächtigen ermittelte und diesen ausforschen konnte.
Radikalisierung auf TikTok
Im Anlassbericht der DSN heißt es, der 14-Jährige hätte sich im August 2024 über TikTok zu radikalisieren begonnen. Dass er Moscheen besucht oder Kontakt mit anderen IS-Anhängern gehabt hätte, war zum Zeitpunkt seiner Festnahme nicht bekannt. Mit Spannung erwartet werden nun die Auswertungen des Handys des Schülers und anderer sichergestellter Datenträger. Die Ermittler erhoffen sich von diesen Ergebnissen eine Antwort auf die zentrale Frage, wie konkret bzw. wie weit gediehen die terroristischen Anschlagspläne des Schülers wirken, der äußerlich einen fast noch kindlichen Eindruck machen soll.
(fd/apa)